
«Während ich die Seiten von Sara More las, habe ich noch mehr gezittert als in jener Nacht.»
GIUSTINO PARISSE
Der Autor und Journalist von „il centro“ lebt in L’Aquilas Vorort Onna.


«Sara More verwebt die Fakten mit dem Schicksal exemplarischer Figuren zum dichten und packenden Drama einer geschundenen Stadt.»
STEFAN ULRICH
Der Schriftsteller und Journalist war für die Süddeutsche Zeitung als Italien-Korrespondent von 2005 bis 2009 in Rom.

Eine Roman-Reihe, die auf Tatsachen aufbaut
Das Besondere der Romane über L’Aquila ist, dass «Tatsachen und Ereignisse», die sich in der Realität so ereignet haben, kursiv dargestellt sind. Außerdem sind sie mit Quellen belegt. Abgesehen von den gekennzeichneten »Tatsachen« erzählen die L’Aquila-Romane eine Geschichte, die sich in dieser Form nie ereignet hat.
Chronologie der Ereignisse
Auf die folgenden Tatsachen und Ereignisse bauen die L’Aquila-Romane auf.
Die Erdbebenserie
Im Herbst 2008 begann eine Erdbebenserie. Mit zunehmender Intensität wuchsen in und um L’Aquila Sorge und Unruhe – zumal der Hobbyseismologe Giampaolo Giuliani vor einem noch stärkeren Beben warnte.


Entwarnung der Risikokommission
Am 31. März 2009 tagten die führenden Erdbeben-Experten Italiens in L’Aquila und gaben bei ihrer Pressekonferenz Entwarnung. Man solle, einen guten Wein trinken und die Beben ausitzen, riet der Vorsitzende der Risikokommission, Commissione Grandi Rischi.
Im Nachhinein kam ans Licht, dass die Tagung eine «Medienoperation» war, um die Bevölkerung zu beschwichtigen und den Hobbyforscher zu diffamieren.
Eine angekündigte Katastrophe
Das erhöhte Erdbebenrisiko und die marode Bausubstanz etlicher Gebäude in L’Aquila war bekannt. Dennoch wurden etliche Warnungen unter den Tisch gekehrt.
Als am Abend des 5. April erneut zwei spürbare Erdstöße die Menschen aufschreckten, existierten keinerlei Notfallpläne.


6. April 2009, 3:32 Uhr
Für mehr als 20 Sekunden bebt in L’Aquila die Erde.
Zahlreiche Gebäude stürzen ein, Menschen werden verschüttet, das Dorf Onna zerfällt in ein Trümmermeer.
GIUSTINO PARISSE: «In jener Nacht umarmen sich ein Vater und eine Mutter auf einem Hausdach, das kein Dach mehr ist. Jenes Haus, das zu einem Grab wird, zum Grab deiner Träume, zum Grab deiner Kinder, für die du gekämpft hast und dann entdeckst du in jener Nacht, dass du sie nur in den Abgrund geführt hast. Es ist deine Geschichte, die endet, dein Haus, das verschwindet, dein Dorf, das es nicht mehr gibt.»
Hilfswelle rollt an
Die erschütternde Bilanz: 309 Tote, davon 40 in Onna, dazu 1500 Verletzte. Binnen einer Minute verlieren mehr als 65.000 Menschen ihr Zuhause.
Aus ganz Italien eilen Hilfskräfte und Freiwillige herbei, um die Not zu lindern – auch aus Deutschland: L’Aquilas Partnerstadt Rottweil schickt das THW nach Onna. Innerhalb weniger Tage wachsen in der Erdbebenregion 180 Zeltstädte empor.


«Einzigartige Chance»
April 2009: Onnas Schicksal rief den Deutschen Botschafter Michael Steiner in Rom, der von dem NS-Massaker in Onna am 11. Juni 1944 wusste, auf den Plan.
«Wenn wir unseren Einsatz auf Onna konzentrieren“, so Steiner, „haben wir die einzigartige Chance, zwei Übel in etwas Gutes zu verwandeln.»
Papst Benedikt besucht Onna
28. April :2009 Der deutsche Papst Benedikt XVI besucht Onna und spricht den Hinterbliebenen Trost zu.
»Liebe Freunde. Ich bin persönlich hier zu euch in dieses wunderschöne und verwundete Land gekommen, das gerade Tage großen Schmerzes und großer Unsicherheit durchlebt, um euch meine Nähe und Verbundenheit auszudrücken.« Der Papst betonte: «Gott ist die Liebe. Wer liebt, der besiegt durch Gott den Tod.»


«Wir für Onna»
Juni 2009: Italiens Ministerpräsident Berlusconi verlegte den G8-Gipfel von Sardinien in die Abruzzen und die Mächtigen der Welt kamen nach Onna – darunter Barack Obama, Nicolas Sarkozy, Angela Merkel. Auch sie sagten Unterstützung zu.
Deutschland fokussierte sich auf den Wiederaufbau von Onnas Kirche. Als die wieder erbaute Chiesa di San Paolo Apostolo 2015 eingeweiht wurde, war der Großteil des Dorfes noch «Zona Rossa».
Das alte und das neue Onna
Nach Monaten im Notzeltlager zogen Onnas Überlebende im Herbst 2009 in provisorische Holzhäuser, die MAP (Moduli Abitativi Provvisori) auf den Wiesen neben Onnas altem Dorfkern. Dort leben viele Onnesen noch immer.
Nur langsam schritt der Wiederaufbau des komplett zerstörten Dorfes voran.
Mit liebevoll gepflegten Gedenkstätten erinnern die Onnesen an ihre 40 Engel, die nicht mehr unter ihnen sind.


Besondere Freundschaft
Gelebte Versöhnung: Eine besondere Freundschaft verbindet heute die Onnesen mit den „amici tedeschi“. Die im Dorfzentrum gelegene Kirche Chiesa San Paolo Apostolo, deren Wiederaufbau Deutschland vorangetrieben hat, ist ein sichtbares Zeichen dafür.
Traditionelle religiöse Feste und Gottesdienste, Hochzeiten, Konzerte und Gedenkveranstaltungen feiern die Dorfbewohner hier. Neben dem Kulturzentrum „Casa Onna“ ist Onnas Kirche ein Ort der Gemeinschaft, des Glaubens, der Hoffnung.
Fotonachweise:
Ruinenblumen (ts), Zeltstadt: (J. Kühl), Cover Band 1 und Band 2 (FFVts), Trümmermeer, drei Kreuze, lavori in corso, Trattoria, Centro, Wohnzimmer/Seismograph, zerstörter Ortskern, Buch „Wir für Onna“, (8) scs), Papstbesuch (aus Buch von Giustino Parisse „Luce tra le macerie“), Onnas Gedenkstätten-Collage(4), Chiesa Onna (scs)

Neugierig? Hier geht es zur Leseprobe
Band 1: Irrtum 5,8
Trümmer von L’Aquila
